MU-TRON III
Den vielleicht entscheidensten Effekt für die Funk-Musik entwarf Mike Beigel 1972 mit dem Mu-Tron III. Beigel hatte zuvor für die Gitarrenmarke Guild einen Synthesizer entworfen, der allerdings nie in Produktion ging. Aus dem Prototyp wurden Teile der Filter-Sektion extrahiert, um daraus ein Effektgerät ohne eigene Tonerzeugung zu bauen. Wenn es auch "nur" ein Filtergerät war, so waren die Sounds die es produzierte mehr mit denen eines Synthesizer zu vergleichen, in dem das eigentliche Instrument die Rolle des Oszillators oder Tongenerators spielte.Es entstand letztlich ein Filter, der über das Volumen des Eingangssignals gesteuert wird (envelope controlled filter oder envelope follower). Je nach Dynamik des Eingangssignals ändert sich die Filterkurve. Manche nennen es auch ein "Auto-Wah". Das Gerät hat drei Bandpass-Filter, die einen bestimmten Frequenzbereich je nach Anschlagsdynamik hervorheben. Die Kurve lässt sich auch rückwärts einstellen (Filtersweep von den Höhen zu den Bässen bei vollem Anschlag). Per Anschlag mit der Hand die Filterkurve zu beeinflussen ist eine ebenso simple wie geniale Idee: Der Effekt wird durch jede Nuance menschlichen Ausdrucks beeinflusst und ist deswegen die vielleicht intuitivste und musikalischste Möglichkeit der Klangveränderung.
Mit seinen vielen Einstellungsmöglichkeiten erzielt das Mu-Tron III Wahwah- und Synthesizer-Klänge bei allen (elektro-)akustischen Instrumenten. Ein Exemplar wurde Stevie Wonder geschickt, der ohnehin von neuen technischen Errungenschaften begeistert war und den Effekt mit einem Hohner Clavinet auf dem Titel "Higher Ground" verwendete. Wonder warb bald daraufhin für das Gerät und es wurde unter Funk-Musikern schnell populär. Noch besser als mit dem über ein Fußpedal gesteuerten Filter eines herkömmlichen Wahwahs, konnten mit dem Mu-Tron III rhythmische Akzente verstärkt werden. Wenn zum Beispiel auf die erste Zählzeit eines Taktes der Anschlag auf die Saiten der Gitarre besonders stark war, so verstärkte das Gerät diese Betonung durch das Hervorheben der höheren Frequenzen. Wie eine Welle ‚schwappt' der Filter blitzschnell über die Töne, so dass viele Benutzer und Hörer sich an Unterwasser-Klänge erinnert fühlten .
Ab Mitte der siebziger Jahre ist das Mu-Tron III in vielen Funk-Aufnahmen zu hören, die Mischung aus echtem Instrumentenklang und Synthesizer-ähnlichem Filter passte besonders gut zu einer Stilrichtung, die Synthesizern ohnehin sehr aufgeschlossen war. Mu-Tron-Sounds wurden unter anderem zum Markenzeichen des P-Funk. Auch Grateful Dead's Jerry Garcia und Bob Marley's Wailers wurden bald prominente Benutzer. Aufgrund des großen Erfolges bei Funk-Musikern - Gitarristen, Bassisten und Keyboardern gleichermaßen - trugen Kopien des Geräts oft das Wort Funk in ihren Bezeichnungen, so zum Beispiel die ‚Funk Mashine' der Marke Seamon oder der ‚Funky Filter MU 1500' von Univox, beides envelope controlled filter nach dem Vorbild des Mu-Tron III. Das Mu-Tron III gilt allerdings immer noch als unerreicht. Wohl kaum ein anderes Instrument schafft es, einen so authentischen Space-Bass-Sounds à la Bootsy Collins zu zaubern wie ein echtes III in Verbindung mit einem Mu-Tron Octave Divider.
Quasi zeitgleich mit Musitronics hat die Firma Maestro in Zusammenarbeit mit Tom Oberheim einen artverwandten anschlagsabhängigen Filter entwickelt, der unter dem Namen "Maestro Filter Sample and Hold" oder "Oberheim Voltage Controlled Filter" verkauft wurde. Dieser Filter ist auch in dem Maestro Universal Synthesizer System USS-1 integriert, welches auf dieser unserer Website ebenfalls dargestellt ist Mike Beigel hat im Gegensatz zu seinen Konkurenten sich nicht darauf beschränkt, seinen Klassiker zu kopieren. Auch wenn Modulationseffekte bald im Vordergrund Mike Beigels Schaffens stehen sollten (ein aufwändiger Bucket-Brigade-Flanger Prototyp und den späteren Phasor I), brachte er zum Ende der Musitronics-Ära noch das "Mu-Tron Micro V" heraus. Ein Mu-Tron VII Prototyp im Gehäuse eines Bi-Phase existiert auch. Dieses Gerät hat noch weitere Einstellmöglichkeiten für die Filter-Sektion und zusätzlich wählbare Parameter für den Envelope-Verlauf. Danach entwickelte für seine neue, eigene Firma 50 Modelle eines Rackgeräts mit dem Namen Beigel Soundlab Envelope Controlled Filter (Beigel: "a Mu-Tron II that died and went to heaven") , das von seinem technischen Aufbau dem Mu-Tron VII fast identisch ist, sich jedoch - den Zeichen der Zeit (1980!) entsprechend - im 19"-Format präsentiert. Der Electro Harmonix Bi-Filter (19") bietet nach über 20 Jahren erstmalig wieder weitere Verfeinerungen eines alten Beigel-Designs.
Das Mu-Tron III wurde in den 1970ern unverändert weitergebaut, erhielt nur später die moderneren grau-schwarzen Knöpfe des Phasor II. Gegen Ende der 1970er Jahre tauchte vom Musitronics Mu-Tron III kurzzeitig noch eine veränderte Version mit integriertem Netzteil auf. Diese Version verwendet auch in der Klangerzeugung andere Bauteile und unterscheidet sich von der Vorgängerversion im Klang (allerdings klingt ohnehin kein Mu-Tron wie das andere!).
Ironischerweise stellt heute die Firma HAZ Laboratories ohne Mitwirkung des ursprünglichen Erfinders das "MU-TRON III+" her, welches laut Beigel nicht den originalen Schaltkreis verwendet ("mutron fake"). Die korrekte Reissue sei dagegen das Electro Harmonix Q-Tron, welches in Zusammenarbeit mit Beigel entstanden ist. So konnte der Erfinder mit der Firma Electro Harmonix unter dem neuen Namen Q-Tron aufgrund der großen Nachfrage nach dem Funk-Sound 1998 eine Weiterentwicklung des Mu-Tron III vorstellen, die er schon früher als Mu-Tron IV angedacht hatte. Die Zeitschrift Guitar Shop betitelte einen Artikel über das neue Instrument passenderweise mit "Get down, get funky".
HAZ dagegen war auf irgendeine Weise auch schon in das Beigel Sound Lab Gerät involviert. Der Name dieser Firma ist auf der Rückseite der Rack Unit zu lesen. Hat Beigel diese Fima nicht nur die 50 Rack-Filter vertreiben lassen, sondern ihnen auch den Namen Mu-Tron verkauft? Gibt es Prototypen von einem Mu-Tron IV? Wie sieht ein Mu-Tron I oder VI aus? Weitere Infos gibt es auf der Seite von Mike Beigel unter www.mu-tron.org. Hier bietet er u.a. auch ein originales Mu-Tron III für 899 US-$ an.
| MADE IN USA by Musitronics Corporation | |||||
| Regler für: | |||||
| Gain | Lautstärke des Eingangssignals vor der Filter-Sektion | ||||
| Peak | Q. Regelt das Ansprechen des Filters auf das Eingangssignal | ||||
| Range | Frequenzbreich | ||||
| Drive | Richtung des Filterverlauf (hoch -> tief oder umgekehrt) | ||||
| HP BP LP | Wählt aus, ob sich der Filterverlauf im Highpass-, Bandpass oder Lowpass-Bereich abspielen soll | ||||
| Das Gerät wird entweder mit zwei 9V-Blöcken oder einem optionalem Netzgerät betrieben. Kaum ein Mensch hat noch dieses original-Netzgerät, die meisten sind wohl verloren gegangen, weil man Mu-trons auf der Bühne auch mit zwei 9 Volt-Blöcken betreiben konnte. Außerdem war dieser Spannungsversorger nur gegen Aufpreis erhältlich, so dass die meisten der ohnehin schon teuren Geräte ohne ihn verkauft wurden. Alle IIIer von Musitronics haben einen Anschluss für diesen komplizierten Spannungswandler (Output: + 9V rot / 0 weiß / -9 [!!!] schwarz, einzigartiger Dreipol-Stecker), mit einer Ausnahme: die spätere Version mit integriertem Netzteil. | |||||
| Bilder (zum Vergrößern einfach anklicken): | |||||
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| Sounds: | |||||
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Mu-tron III (1.005 kb) | |||||